đŸ”„Â Waldbaden: Achtsamkeit im Wald đŸ”„

 

Achtsamkeit im Wald

 

Was ist Waldbaden?

Damit ist nicht wortwörtlich das Baden in Haufen von LaubblÀttern gemeint. Niemand wird in eine Brombeerhecke hineinspringen, wie in ein Schwimmbecken oder sich im Waldboden vergraben als liege er in einer Badewanne.

Badewanne WaldWaldbaden ist die grobe Übersetzung des Begriffs Shinrin-Yoku (æŁź Shin = großer Wald, 林 Rin = kleiner Wald, 攎 Yoku = Baden), der ursprĂŒnglich aus Japan kommt. Genauer gesagt, vom japanischen Ministerium zustĂ€ndig fĂŒr Agrar, Forst und Fischerei, der diese Bezeichnung im Jahre 1982 geprĂ€gt hat. Damals empfahl das Ministerium AusflĂŒge in den Wald zu unternehmen.

Die Bezeichnung Shinrin-Yoku (auch Shinrinyoku oder Shinrin Yoku) beschreibt dabei den unmittelbaren Kontakt, das völlige Eintauchen in die AtmosphÀre des Waldes. Baden in Waldluft.

 

In Japan wird Shinrinyoku vom Gesundheitswesen gefördert und ist fester Baustein der Gesundheitsvorsorge. Es findet u. a. in der Therapie gegen Stress Anwendung. Schon seit Jahren können japanische Medizin-Studenten zusĂ€tzlich das Fach Waldmedizin auswĂ€hlen. Zudem wurde in Japan ein Zentrum fĂŒr Waldtherapie gegrĂŒndet und besondere ErholungswĂ€lder errichtet, die speziell die Belange des Waldbadens und der Waldtherapie erfĂŒllen.

Aber nicht nur in Japan, sondern in vielen LĂ€ndern etabliert sich das Waldbaden. Sei es als besondere Therapieform oder als reine Erholung, Shinrin-Yoku findet auch in Deutschland großen Anklang, wo ebenfalls Kur- und HeilwĂ€lder gegrĂŒndet werden. Einer der ersten dieser WĂ€lder in Deutschland ist der Heringsdorfer Wald.

 

Waldbaden Therapie GesundheitAber warum eigentlich Waldbaden?

Was wir schon lange gewusst haben, wird jetzt offiziell durch Studien belegt. Im Wald zu sein wirkt beruhigend, entspannend und gesundheitsfördernd. Waldbaden ist also mehr als nur Wellness-Trend und hat nichts mit Esoterik zu tun.

Denn der Wald stellt fĂŒr uns zugleich einen Ort der Therapie wie auch der Gesundheit dar, wo wir Anregung und GlĂŒckseligkeit finden. Hier werden wir eingeladen uns unserem Inneren zu stellen. Hier fĂŒhlen wir uns wieder lebendig. Gleichzeitig finden wir Antworten auf die Fragen, die unbewusst in uns schlummern und bekommen dadurch die Gelegenheit unser Leben neu auszurichten.

 

Die Natur vermittelt Faszination und weckt Begeisterung.

Durch Shinrin-Yoku können wir den Wald und die Natur bewusster wahrnehmen.

 

Waldbaden PfÀlzerwald

Martin Hengge

Martin Hengge von Waldbaden PfĂ€lzerwald weiß zu berichten:

 

„Die BĂ€ume des Waldes senden Botenstoffe, um sich mit ihren benachbarten BĂ€umen zu kommunizieren. So können sie zum Beispiel vor SchĂ€dlingsbefall warnen. Wie Forschungsergebnisse belegen, nimmt auch der Mensch diese Botenstoffe wahr. Bereits nach kurzer Zeit im Wald bewirkt dieser eine Vermehrung und AktivitĂ€tssteigerung der körpereigenen Killerzellen, der Körper kann sich also besser gegen Krankheitserreger und sogar Krebszellen wehren. Ebenso bewirkt der Wald laut Studien eine steigende Lebenskraft, sinkenden Blutdruck, eine Verringerung von AngstzustĂ€nden oder Depressionen, die Vorbeugung von Erschöpfung (Burnout) oder einen Abbau von Stresshormonen.“

Im Wald zu spazieren kann also des Öfteren echte Wunder bewirken. Besonders wenn wir angespannt und gestresst sind oder uns der Alltag ĂŒber dem Kopf wĂ€chst.

 

Warum muss man also dem Ganzen einen eigenen Namen geben? Weil Waldbaden mehr ist als nur im Wald spazieren gehen.

 

Shinrinyoku ist „Achtsamkeit im Wald“. (Deutsche Akademie fĂŒr Waldbaden)
Waldbaden ist „achtsames und absichtsloses Eintauchen in die WaldatmosphĂ€re“. (Annette Bernjus)

 

Leider bekommt man recht schnell den Eindruck, es handle sich hierbei nur um eine Marketingmasche, einen Köder der Tourismus-Industrie. Warum also nicht einfach in den Wald gehen und loslegen wie gewohnt? Gibt es hier was zu beachten?

Einerseits sind die meisten von uns nicht mehr in der Lage sich dem Wald mit allen Sinnen hinzugeben. Wir gehen zu zielstrebig in den Wald und wir gehen zu schnell. Zudem sind wir sehr visuell orientierte Menschen, die es verlernt haben alle anderen Sinne breit gefÀchert anzuwenden. Daher wird es manch einem sehr schwer fallen, das Waldbaden umzusetzen. Hilfe kann man von ausgebildeteten Kursleiter/innen bekommen, die alle Möglichkeiten des Waldbadens aufzeigen und eine Vermittlerfunktion zwischen Wald und Besucher einnehmen.

 

Wie geht man Waldbaden?

Martin Hengge ist einer dieser „Waldbademeister„. Von ihm habe ich mir erklĂ€ren lassen, was beim Waldbaden zu beachten ist.

Beim Waldbaden soll es Ziel sein, keine Ziele zu haben. Viele machen Sport oder wollen zu einem Aussichtspunkt gelangen, andere wollen in eine HĂŒtte einkehren oder nur mal schnell den Hund ausfĂŒhren. Hierbei kann das Eintauchen in den Wald nicht vollstĂ€ndig umgesetzt werden.

Will man richtig im Wald baden, so muss man sich treiben lassen und bewusst den Augenblick wahrnehmen. Man richtet sein Augenmerk auf den eigenen Körper und auf die Natur, die einen umgibt, mit allen Sinnen.

 

Es werden alle Sinne geschÀrft!

Dies sind:

  • Ertasten durch anfassen und berĂŒhren,
  • Schmecken mit kleinen Bissen, sorfĂ€ltig gekaut,

  • Riechen durch langes, tiefes Einatmen,
  • Hören auf einzelne GerĂ€usche,

  • Sehen mit weit gestelltem Blick.

Artikel bei Wikipedia ĂŒber Sinn (Wahrnehmung)

 


  1. Lustwandele langsam und gemĂŒtlich. Weder die Strecke, noch das Ziel oder die Dauer sind vorbestimmt.
  2. Bewege Dich sanft und behutsam.
  3. Atme lang und tief. Beobachte dabei Dein Ein- und Dein Ausatmen.
  4. Sei ruhig und bedÀchtig. Lass Dich zu TagtrÀumen verleiten und koste die Einsamkeit aus.
  5. Nehme wahr, was dich umgibt. Erzwinge dabei nichts.
  6. Achte auf den Augenblick, nimm EindrĂŒcke wertfrei wahr.
  7. Entspanne Deine Augen in dem Du in die Weite schaust und die WĂ€lder siehst.
  8. Versuche Neues, probiere aus, entdecke Altbekanntes neu, wie ein Kind, das zum ersten Mal in den Wald geht.
  9. Meditiere und entspanne Deinen Geist und Deinen Körper. Gerne auch unter Anleitung.
  10. Mache rechtzeitig Pausen und verweile so lange, wie es gefĂ€llt. Überlaste dich nicht.

 

Waldbaden wird zum Beispiel gerne in Verbindung mit Meditationen, Fitness-Übungen, Yoga, Tai Chi, FrĂŒhstĂŒck und Imbiss und KrĂ€uterkunde unter anderem praktiziert.

 

Feuerstelle Lagerfeuer FeuerSchön, dass wir durch das Trekking fast wie automatisch im Wald baden! Denn auch beim Trekking lĂ€sst sich ab und zu Shinrin Yoku ausĂŒben, das achtsame und absichtslose Eintauchen in den Wald.

Nicht immer ist es möglich, auf der Trekkingroute zwischen zwei LagerplĂ€tzen herum zu schlendern und zu entspannen. Vielmehr drĂŒckt das Gewicht des RĂŒcksacks und der Abend naht – schnell mĂŒssen wir noch zum Trekkingplatz gelangen bevor es dunkel wird. Es ist also schwer achtsam zu sein.

Aber wenn nicht schon an Aussichtspunkten auf dem Zuweg, dann spĂ€testens am Lagerfeuer können auch wir dem Waldbaden frönen. Dann können wir entspannen und die Einzelheiten des Waldes einatmen – mit allen Sinnen.

Mit der heilenden Kraft der Natur sich selbst neu entdecken

 

Wenn Ihr Euch eingehender mit dem Waldbaden auseinander setzen wollt, kann ich Euch folgendes Buch empfehlen:

Waldbaden: Mit der heilenden Kraft der Natur sich selbst neu entdecken.

 

Ein paar Links:

https://www.waldbaden-pfaelzerwald.de/ Die Seite von Martin Hengge aus dem PfÀlzerwald.TrekkingplÀtze vorgestellt von Ingo

https://www.netzwerk-waldbaden.com/ Wo finde ich Kursleiter/innen und Kurse in meiner NĂ€he?

https://www.waldbaden-akademie.com/ Hier kann man sich selbst als Kursleiter/in ausbilden lassen.

 

Macht es gut!

Gut (Trekking-)Pfad!

 

Ingo & das Trekkingplatz-Team